Teleskop ausgegraben

Erstellt 03.11.2010  Kategorien  Buntes

Astroscan
Edmund Scientific Astroscan

Die Herbstferien habe ich mit meiner Familie an der dänischen Nordseeküste verbracht. Da waren wir schon mehrmals, denn es gefällt uns dort wirklich sehr gut. Der schier endlose Strand läd zu ausgedehnten Spaziergängen ein. Und in den urigen Ferienhäusern läßt es sich wirklich gut aushalten.

Da die Küste in der Nähe unseres Ferienortes nur spärlich bebaut ist, hat man dort richtig dunkle Nächte und einen atemberaubenden Sternenhimmel. Aus diesem Grunde habe ich mich daran erinnert, daß in unserem Keller irgendwo ein Teleskop seinen Dornröschen-Schlaf schläft und darauf wartet, wachgeküßt zu werden. Seit dem meine Kinder da sind, nutze ich das gute Stück kaum mehr ...

Jedenfalls habe ich das Teleskop eingepackt, und in Dänemark gab es tatsächlich zwei, drei klare Nächte. Es hat mir einen Riesenspaß gemacht und an alte Zeiten erinnert, wo ich diesem Hobby noch etwas öfter gefrönt habe.

Mein Teleskop ist ein Astroscan des Herstellers Edmund Scientific. In Deutschland kann man es über die Firma Intercon Spacetec beziehen. Auf den ersten Blick erinnert das Ding eher an eine Blumenvase, und so nenne ich auch liebevoll mein Astroscan. An sich ist das Ding für Kinder und Einsteiger in das Hobby Astronomie gedacht. Allerdings ist die Blumenvase kaum mit den typischen Kaufhaus-China-Billig-Optiken zu vergleichen. Es hat eine sehr gute optische Qualität. Außerdem ist es ratz-fatz in Sekundenschnelle aufgebaut. Die Montierung erinnert entfernt an einen Dobson.

Die Öffnung beträgt 105 mm. Ich finde, daß das Gucken bis Vergrößerungen von 90fach noch Spaß machen. Demnach ist die Blumenvase eher nicht für Planetenbeobachter geeignet. Dafür bietet das Astroscan bei niedrigen Vergrößerungen ein irres Gesichtsfeld. Wenn man auf die Milchstraße zuhält, glaubt man fast, in das Sternenmeer einzutauchen! Mit dem mitgelieferten 25 mm Plössl-Okular überblickt man einen fast 3 Grad großes Himmelsareal bei einer Vergrößerung von knapp unter 20fach. Empfehlenswert ist auf jeden Fall der Zukauf eines Okulars von etwa 10 mm (ich habe mich für ein Vixen LV entschieden), mit dem man perfekt den Mond überblickt.

Etwas nervig ist die primitive Fokussiermechanik. Das Okular steckt in einer Hülse, die im Kunststoffgehäuse des Teleskops über eine Schraube am Okularauszug bewegt werden kann (siehe Bild unten). Die Schraube sitzt an einer Achse, die im Inneren des Teleskops mit einem Gummischlauch ummantelt ist, welcher auf der Hülse aufliegt. Diese primitive Mechanik erlaubt leider keine wirklich ruckfreie Bewegung des Okulars, was das Scharfstellen enorm erschwert - insbesondere wenn es kalt ist. Laut verschiedener Internetforen soll ein regelmäßiges Reinigen der Kontaktflächen Besserung verschaffen. Mal schauen ...

Okulartrieb des Astroscans
Okulartrieb des Astroscans

Leider waren meine Beobachtungsnächste in Dänemark sehr schnell zuende. Ich habe keine Taukappe, und an der Küste fällt die Temperatur sehr schnell. Nach 60 bis 90 Minuten ist die Glasplatte an der Eintrittsöffnung des Teleskops kalt und beschlagen. Hier werde ich mir demnächst mal eine geeignete Taukappe bauen - möglicherweise sogar mit Heizung. Ich werde berichten ...

Ich hoffe, auch zuhause mal wider das Teleskop benutzen zu können. Demnächst mache ich auch ein paar schöne Photos von meinem Astroscan und stelle Sie hier ein.

Tags  teleskop,  astroscan,  taukappe