TerraSAR-X und TanDEM-X als Doppelstern

Erstellt 16.01.2011  Kategorien  Raumfahrt

DLR -- TerraSAR-X und TanDEM-X

Bild: DLR

 

Heute abend habe ich ein beeindruckendes Himmelsschauspiel gesehen: Die beiden deutschen Schwester-Satelliten TerraSAR-X und TanDEM-X im Formationsflug. TerraSAR-X wurde im Jahr 2007 gestartet und kartiert die Erdoberfläche mit einem Radar-Instrument. Mitte 2010 folgte der fast baugleiche TanDEM-X nach. Beide Satelliten haben fast identische Orbits, so daß sie einen Formationsflug mit einem gegenseitigen Abstand von nur rund 350 Metern absolvieren. Durch synchrone Aufnahmen von beiden Satelliten aus läßt sich ein sehr genaues Höhenmodell der Erdoberfläche erstellen.


Doch nun zurück zum heutigen Himmelsspektakel. Ein Kollege von mir - seines Zeichens Projektleiter bei TanDEM-X - meint vor kurzem, daß man beide Satelliten mit bloßem Auge als vorbeiziehende Lichtpunkte über den Nachthimmel sehen kann. Das habe ich zunächst nicht geglaubt, aber mich heute abend eines Besseren belehren lassen!

 


Zunächst kann man abschätzen, ob sich beide Satelliten überhaupt mit bloßem Auge trennen lassen. Das Auflösungsvermögen des Auges beträgt etwa 0,5 bis 1 Bogenminute. Eine Bogenminute ist hierbei der 60ste Teil eines Winkelgrades. Der Abstand beider Satelliten beträgt bei einer Bahnhöhe von 514 km maximal etwa 2,5 Bogenminuten. Damit sollten beide Satelliten - ausreichende Helligkeit vorausgesetzt, mit bloßem Auge gut trennbar sein.


Nun muß man eigentlich nur noch wissen, wann beide Satelliten am Nachthimmel zu sehen sind. Hier gibt die Seite Heavens Above Auskunft. Dort kann man seinen Beobachtungsort eingeben und für eine ganze Reihe von Satelliten und astronomischer Objekte Sichtbarkeitsinformationen abrufen.


Heute (16.01.2011) abend war in meiner Heimatstadt klarer Himmel. TerraSAR-X und TanDEM-X sollten kurz nach 18:00 in den Sternbildern Andromeda und Pegasus zu sehen sein. Leider war es um diese Zeit noch nicht ganz dunkel (Sonne erst ca. 11 Grad unter dem Horizont), und ein 3/4-Mond stand hell im Süd-Osten. Die (scheinbare) Helligkeit der Satelliten war mit ca. 6.2 Magnituden von Heavens Above vorausberechnet.


Doch dann: Es kam mir vor, wie wenn ein Auto am Himmel seine Scheinwerfer anknipste! Plötzlich waren beide Satelliten wie aus dem Nichts genau im "Quadrat" des Sternbilds Pegasus aufgetaucht. Beide Satelliten waren ganz klar mit bloßem Auge zu trennen. Das Schauspiel dauerte nur wenige Minuten, und die Helligkeit nahm sehr schnell ab.


Ein wirklich sehr beeindruckendes Schauspiel. Zur Nachahmung empfohlen!

 

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