Lost Place "Stadt im Wald"

Erstellt 07.04.2012  Kategorien  Geocaching

Eindruck aus

In Kreisen deutscher Geocacher ist der Cache "Stadt im Wald" eine wahre Legende. Es handelt sich hierbei um einen sogenannten Lost Place Cache. Bis in die frühen 1990er Jahre befand sich an dieser Stelle eine der größten Kasernen der sowjetischen Truppen auf deutschen Boden. Zeitweise sollen hier 15000 Soldaten stationiert gewesen sein. Der Cache dürfte vielen Geocachern nicht zuletzt deshalb bekannt sein, da Groundspeak ihm letztes Jahr ein Teaser-Video gewidmet hat. Bei mir stand dieser Cache schon länger auf der ToDo-Liste.

Vor einigen Tagen war globy303 aus Leipzig im Rheinland zu Besuch. Zusammen mit Stromdieb und Die_Baronin haben wir auch über unsere Geocaching-Pläne in 2012 gesprochen. Beim Stichwort "Stadt im Wald" erzählte uns globy303 dann, daß er am Samstag, den 31.03.2012 mit weiteren Leipziger Cachern diesen machen wolle. Eile sei geboten, da sich der Owner hornesia und die Abrißbagger ein Katz-und-Maus-Spiel bieten. Aber über kurz oder lang werde dieser Cache bald ins Archiv landen. An diesem Abend hatte ich eigentlich innerlich mit diesem Cache abgeschlossen, zumal Die_Baronin und der Stromdieb an dem besagten Tag verhindert waren. Doch als mich sogar meine Frau bestärkte, habe ich kurzfristig globy303s Angebot angenommen, mich auch allein der Leipziger Gruppe anzuschließen.

Glücklicherweise wohnen meine Eltern auf halber Strecke, so mußte ich die rund 700 km nicht in einem Stück mit dem Auto durchdonnern und konnte einigermaßen erholt den Cachetag begehen. Aufgrund der kurzen Vorbereitungszeit beschränkte sich das Programm auch fast ausschließlich auf "Stadt im Wald", den dazugehörigen Bonus und den Lost Place "Diät", ebenfalls von hornesia. Nur eine Hand voll Verlegenheits-Dosen an Raststätten konnte ich noch mit vertretbaren Zeitaufwand während der Fahrt einsammeln.

Am Samstag, den 31.03.2012 ging es dann um 06:30 von Salzgitter auf ins beschauliche Vogelsang in Brandenburg zur Parkkoordinate. Dort angekommen standen schon etwa ein halbes Dutzend Autos, und gerade machten sich nacheinander zwei Gruppen mit insgesamt etwa 15 Geocachern auf den Weg. Kurz nach mir trafen auch die Leipziger ein, so daß wir einigermaßen pünktlich um kurz nach 10:00 Uhr aufbrechen konnten.

Eindrücke aus


Bis zur ersten Station muten wir einen etwa 2,5 km langen Fußmarsch zurücklegen; rechts und links des Weges sumpfiger und sandiger Waldboden. Es war an diesem Tag kühl, aber nicht kalt. Gelegentlich ging ein Schauer oder Hagel nieder. Aber manchmal ließ sich zwischen den Wolken auch der blaue Himmel und die Sonne blicken.

Bald schon tauchten die ersten Gebäude der Kasernenanlage im Wald auf. Das weitläufige Gelände ist nicht abgesperrt und ein Sofa-Arrangement in einem Raum sowie Unmengen von Bauschutt zeugen davon, daß dieser Ort nicht nur von Geocachern besucht wird. Um uns die Sache nicht schwieriger als nötig zu machen, haben wir bei den Stationen dieses Multi-Caches mit aktuell 13 Stationen jeweils den Hinweis aus dem Listing verwendet, um die Koordinaten der jeweils nächsten Station zu finden. So blieb noch Zeit, um sich in den Gebäuden umzusehen und viele Photos zu machen.

Die Schwierigkeit der einzelnen Stationen empfand ich als recht unterschiedlich aber doch fair. Nicht nur aus Sicherheitsgründen sollte man unbedingt davon absehen, diesen Cache alleine anzugehen. Viele Augenpaare und mehrere Gehirne bringen deutlich mehr zustande. An Station 5 haben wir das erste Mal ausgiebig suchen müssen und haben uns kräftig eingesaut. An Station 10 trafen wir dann mit dem Team BlueShadow und den Schnüfflern zusammen. Trotz intensiver Suche mit acht Augenpaaren blieben die nächsten Koordinaten verborgen. Das dunkle, fensterlose Gebäude sowie zahlreiche Versteckmöglichkeiten in E-Schränken und Rohrleitungen haben nicht gerade dazu beigetragen, die Suche zu erleichtern. Gut, daß sich Team BlueShadow im Vorfeld um "Telefon-Joker" bemüht hat. Nachdem klar war, wo der Hinweis versteckt ist, ging ein großes Raunen durch die Runde: "Och, wie einfach!"

Im Bunker auf der Suche nach dem Final


Alle Stationen hatten ihren ganz eigenen Reiz gehabt. Besonders gut gefallen hat mir dann aber doch die Turnhalle und das Waschhaus. Das Final führte uns in einen Bunker, welcher ohne Probleme zu betreten war. Die Finaldose war schnell gefunden, und alle Anwesenden haben sich im Logbuch verewigt. Der Bonus sollte offenbar dazu anspornen, den Bunker noch weiter zu erkunden, haben wir natürlich gerne gemacht. Nachdem auch diese Aufgabe gelöst war, gib es in etwas reduzierter Anzahl zum Nachtisch (nein, den Bunker haben wir wieder vollzählig verlassen!), bezeichnenderweise einem Cache mit dem rätselhaften Namen "Diät". An Ort und Stelle war klar, wie der Cache zu seinem Namen gekommen ist. Aus diesem Grund haben auch nicht alle den Einstieg in den dortigen Bunker gemacht und stattdessen Schmiere gestanden. Die Innenräume dieses überirdischen Bunkers waren riesig. Vielleicht würde hier Kriegsgerät gelagert. Beeindruckend empfand ich, daß dieser Bunker keinen Müll oder Graffity enthielt - offenbar verirren sich hierhin allenfalls sehr selten Nicht-Geocacher. Das hat dem Bunkerinneren eine besondere Atmosphäre verliehen. Die Dose war wieder viel zu schnell gefunden.

Nach ein paar "Abkürzungen" war die Parkkoordinate und der Ausgangspunkt dieses insgesamt 15 km und 8,5 Stunden langen Ausfluges in die jüngere deutsche Vergangenheit wieder erreicht - die Zivilisation hatte uns wieder! Wir waren alle ausnahmslos begeistert. Und auch unter Berücksichtigung der 1400 km An- und Rückfahrt hat sich dieses Abenteuer gelohnt. Ich werde noch lange, lange Zeit an diesen tollen und beeindruckenden Tag zurückdenken. Ein großes Lob gilt dem Owner des Caches, hornesia für die Mühe bei der Ausarbeitung und Wartung der Stationen dieses Caches sowie dem hoffentlich noch lange anhaltenden "Kampf" gegen die Abrißbagger. Ich bin sehr froh, zu denen zu gehören, welche das Glück hatten, diesen geschichtsträchtigen Ort besuchen und diesen außergewöhnlichen Cache machen zu dürfen. Danken möchte ich natürlich auch den Leipziger Geocachern um globy303, denen ich mich anschließen durfte. Und ich hoffe, daß ich das Team BlueShadow, welches ich an diesem Tag kennenlernen durfte, wiedertreffe - möglicherweise beim ebenfalls sehr bekannten Lost Place "7grad".
Weitere Bilder finden sich hier.

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